Götterdämmerung über der neuen »Weltordnung«
Seit den 1990er Jahren haben sich in der kapitalistischen Produktion weitreichende Veränderungen entwickelt. Vielfältige „Globalisierungstheorien“ versuchen darauf eine Antwort zu geben, verwirren viele Menschen, und es wird ihnen ein Ausweg im Rahmen des Kapitalismus vorgetäuscht.
Ausgehend von der Allgemeingültigkeit der Analysen des Imperialismus durch Lenin und des staatsmonopolistischen Kapitalismus in Deutschland durch Willi Dickhut, analysiert dieser REVOLUTIONÄRER WEG die wesentlichen Veränderungen im imperialistischen Weltsystem. Sie werden als Neuorganisation der internationalen kapitalistischen Produktion zusammengefasst und leiten eine neue Phase der Entwicklung des imperialistischen Weltsystems ein.
Internationale Produktion und Handel sind zum bestimmenden Charakter der monopolistischen Ausbeutung und Unterdrückung geworden. Weitere Merkmale der ausgereiften materiellen Vorbereitung des Sozialismus werden analysiert. Eine neue historische Umbruchphase wurde eingeleitet. Der Imperialismus stößt an seine relative historische Grenze, die er nicht überwinden kann.
Die Schlussfolgerung aus der Neuorganisation der internationalen kapitalistischen Produktion ist die internationale sozialistische Revolution und die Perspektive der vereinigten sozialistischen Staaten der Welt!
Im Buchhandel erschienen unter:
Götterdämmerung über der neuen »Weltordnung«
Erschienen: 2003

Ausgabe Revolutionärer Weg:
Die Neuorganisation der internationalen Produktion
37 Jahre lang war er Parteivorsitzender der MLPD und leitet heute noch ihr theoretisches Organ REVOLUTIONÄRER WEG. Stefan Engel war Ideengeber und erster Hauptkoordinator der revolutionären Weltorganisation ICOR. Er prägte mit Willi Dickhut zusammen den Stil der MLPD als revolutionäre Arbeiterpartei und machte die bewusste Anwendung der dialektischen Methode auf alle Seiten der Parteiarbeit zu einem Markenzeichen der MLPD. Tausende Kader durchliefen seine Ausbildung.
Er fördert besonders die Jugend und bereitete so den Generationswechsel der MLPD vor.
Leseprobe
| Vorwort | |
| Einleitung | |
| I. Teil: Wesentliche Veränderungen in der politischen Ökonomie des Imperialismus | |
| 1. Die Herausbildung internationaler Monopole | |
| 2. Die Schlacht internationaler Monopole um den Weltmarkt | |
| 3. Die Entwicklung der Nahrungsmittelproduktion unter dem Diktat der internationalen Monopole | |
| 4. Die Herausbildung eines internationalen Industrieproletariats | |
| 5. Veränderungen der Klassenstruktur infolge der Internationalisierung der kapitalistischen Produktion | |
| 6. Die internationalen Großbanken als Triebkraft der Internationalisierung der kapitalistischen Produktion | |
| 7. Die Rolle der Börse im Prozess der Internationalisierung des Kapitals | |
| 8. Die Herrschaft des Finanzkapitals über die Weltwirtschaft | |
| 9. Die Volksrepublik China – eine aufsteigende sozialimperialistische Macht | |
| II. Teil: Die Neuorganisation der internationalen Produktion leitet eine neue Stufe in der Entwicklung des Imperialismus ein | |
| 1. Der Zusammenbruch der Sowjetunion vor dem Hintergrund der Internationalisierung der kapitalistischen Produktion | |
| 2. Die fünfte Investitionsperiode des staatsmonopolistischen Kapitalismus in der BRD | |
| 3. Die Ausbeutungsoffensive als Grundlage der Neuorganisation der internationalen Produktion | |
| 4. Die Neuorganisation der internationalen Produktion | |
| 5. Die internationalen Monopole untergraben Rolle und Funktion der Nationalstaaten | |
| 6. Umfassende Privatisierung staatlicher Betriebe und Einrichtungen | |
| 7. Die chronische Krise der Staatsfinanzen und die Umverteilung des Nationaleinkommens | |
| 8. Veränderungen der staatlichen Subventionpolitik am Beispiel der Ruhrkohle AG | |
| 9. Die Europäische Union als Instrument der internationalen Monopole | |
| 10. Internationale Organisationsformen des Finanzkapitals | |
| 11. Die verheerenden Auswirkungen des Neoliberalismus auf die neokolonial abhängigen Länder | |
| III. Teil: Die Neuorganisation der internationalen Produktion verschärft die Krise des imperialistischen Weltsystems | |
| 1. Die internationale Strukturkrise auf Basis der Neuorganisation der internationalen Produktion | |
| 2. Neue Erscheinungen bei der ersten Weltwirtschaftskrise im neuen Jahrtausend | |
| 3. Wechselwirkung zwischen Überproduktionskrise, Börsenkrise und Bankenkrise | |
| 4. Die Krise der staatlichen Regulierung | |
| 5. Der internationale Konkurrenzkampf des Finanzkapitals verhindert wirksame Maßnahmen gegen die globale Umweltkrise | |
| 6. Die internationale Tendenz zur Auflösung der bürgerlichen Familienordnung | |
| 7. Eine neue Phase im Kampf um die Neuaufteilung der Welt | |
| 8. Die chronische politische Krise und die Bekämpfung des »internationalen Terrorismus« | |
| 9. Die Krise der bürgerlichen und kleinbürgerlichen Globalisierungstheorien | |
| Anhang: | |
| Literaturverzeichnis | |
| Liste der Tabellen | |
| Liste der Schaubilder |
Der Autor Stefan Engel verwendet für den Titel seines Buches ein Gleichnis aus der germanischen Mythologie: In der Götterdämmerung verschlingt das Weltenende die abgelebten Gottheiten einer überholten Zeit und aus dem Weltenbrande erwächst eine schöne neue Erde des Friedens und der üppigen Lebensfreude. Der Vergleich zum Niedergang der heute herrschenden Schicht der Weltgesellschaft und zur Vorbereitung einer neuen, lebenswerten Zukunft ist beabsichtigt! Das Buch entreißt diese Vision der Mythologie, stellt sie auf ein gesichertes wissenschaftliches Fundament.
Großspurig verkündete 1991 der amerikanische Präsident George Bush eine »neue Weltordnung«. Doch hinter der pompösen Ankündigung verbarg sich lediglich der offene Führungsanspruch der einzig verbliebenen Supermacht USA über die ganze Welt.
Der Autor analysiert allseitig, wie aus dieser »neuen Weltordnung« eine von niemandem mehr zu bewältigende Welt unordnung geworden ist. Mit der Neuorganisation der internationalen Produktion als ökonomischem Kern der gesellschaftlichen Veränderungen haben sich eine Vielzahl ver heerender Krisen, Kriege und Zusammenbrüche ergeben. Die revolutionären Produktivkräfte drängen nach weltumspannender Entfaltung – und ersticken im Korsett überlebter gesellschaftlicher Strukturen des Imperialismus. Weil das kapitalistische System diese Probleme nicht lösen kann, beschleunigt sich sein Niedergang. Doch in ihm reifen zugleich alle materiellen Vorbereitungen für eine wirklich neue Weltordnung: die revolutionäre Überwindung des imperialistischen Welt systems in einer internationalen sozialistischen Revolution und die Entstehung der vereinigten sozialistischen Staaten der Welt.
Das Buch besticht nicht nur durch seine erfrischende Streitkultur, sondern auch durch seine streng wissenschaftliche Methode, mit der eine beeindruckende Zahl von Fakten und Materialien untersucht und gedeutet werden. Es vermittelt all jenen eine Perspektive, für die die Götterdämmerung des herrschenden Weltfinanzkapitals nicht das Ende der Geschichte sein soll, sondern der Ausgangspunkt für eine neue Epoche
der gesellschaftlichen Entwicklung der Menschheit – ohne Hunger, Ausbeutung und Krieg.
Verlag Neuer Weg
Essen, 15.März 2003
Seit der Auflösung der Sowjetunion und ihres Imperiums erleben wir einen atemberaubenden Prozess der wirtschaftlichen und politischen Neuordnung der Welt. Unter dem irreführenden Begriff der »Globalisierung« erscheint eine Flut von Veröffentlichungen bürgerlicher und kleinbürgerlicher Ökonomen zu diesem Thema. Aber kaum eine kann einem wissenschaftlichen Anspruch standhalten, vor allem nicht dem, auch die gesellschaftlichen Ursachen dieser Entwicklung allseitig aufzudecken.
Auch in der internationalen marxistisch-leninistischen und Arbeiterbewegung gibt es erst einige wichtige Betrachtungen über einzelne Seiten dieses Prozesses. An einer treffenden und allseitigen Gesamtbeurteilung mangelt es noch. Das kann zu folgenschweren Fehldeutungen der neuen gesellschaftlichen Entwicklungen führen und zu falschen Schlussfolgerungen für den Kampf gegen den Imperialismus und für den Sozialismus.
Das vorliegende Buch unterstreicht die Allgemeingültigkeit der Analysen des Imperialismus durch Lenin und des staatsmonopolistischen Kapitalismus in Deutschland durch Willi Dickhut1. Es richtet zugleich sein ganzes Augenmerk auf die neuen Erscheinungen, die wesentlichen Veränderungen im imperialistischen Weltsystem. Sie werden als Neuorganisation der internationalen kapitalistischen Produktion zusammengefasst.
Politischer Ausgangspunkt für diese Neuorganisation war das Ende der Ära der sozialimperialistischen Sowjetunion, das durch den gescheiterten Putschversuch sowjetischer Militärs im August 1991 besiegelt wurde. Die Weiterexistenz der Sowjetunion und des Rates für Gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) als ein von der übrigen Welt relativ abgeschotteter Wirtschaftsraum war nicht mehr länger aufrechtzuerhalten. Die wissenschaftlich-technische Umwälzung durch Mikroelektronik und Vollautomation und die Internationalisierung der kapitalistischen Produktion hatten die ökonomische und politische Basis der Supermacht Sowjetunion weitgehend unterhöhlt. Die vollständige Integration der sowjetischen Einflussgebiete in einen einheitlichen Weltmarkt und die relative Angleichung ihrer Produktionsverhältnisse an die weitaus produktiveren des Westens waren zur unmittelbaren ökonomischen Notwendigkeit geworden.
Die anschließenden Umwälzungen in Russland, den übrigen Ländern der ehemaligen Sowjetunion und des ehemaligen RGW hatten freilich keinen allgemein gesellschaftsverändernden Charakter. Die Sowjetunion hatte schon seit dem XX.Parteitag der KPdSU im Februar 1956 ihren sozialistischen Charakter verloren. Mit der Machtergreifung einer neuen Bourgeoisie aus der zentralen Bürokratie der Partei, der Wirtschaft und des Staats degenerierte die Sowjetunion zu einem bürokratischen staatsmonopolistischen Kapitalismus neuen Typs. Dieser hatte nur noch dem Namen nach etwas mit dem Sozialismus gemein.
Die Propaganda vom »Ende des Sozialismus« oder gar vom »Ende der Geschichte« war nur das Triumphgeschrei der westlichen Siegermächte, die den sozialimperialistischen Rivalen im unerbittlichen Konkurrenzkampf besiegt hatten. Sie diente in erster Linie der Manipulation der Unterdrückten und Ausgebeuteten in aller Welt, die in ihrer wachsenden Unzufriedenheit immer mehr nach einer Alternative zur kapitalistischen Gesellschaft suchen.
Gescheitert ist mit der Auflösung der Sowjetunion nicht der Sozialismus, sondern der moderne Revisionismus Chruschtschows, Breschnews und Gorbatschows. Dieser bildete die weltanschauliche Grundlage der Herrschaft der neuen Bourgeoisie in der Sowjetunion und ihres Strebens, den Erzrivalen USA auszustechen und selbst zur weltweit führenden imperialistischen Supermacht aufzusteigen.
Der Bankrott der sozialimperialistischen Supermacht Sowjetunion war Ausdruck der Fäulnis und Zersetzung des imperialistischen Weltsystems im Allgemeinen und des bürokratischen staatsmonopolistischen Kapitalismus sowjetischer Machart im Besonderen. Dieses Scheitern löste eine tiefe Krise des modernen Revisionismus und der mit ihm verbundenen Parteien aus. Sie machte den Weg frei für die internationale marxistisch-leninistische und Arbeiterbewegung, diese negative Entwicklung grundsätzlich aufzuarbeiten und zu überwinden. In einem langwierigen ideologisch-politischen Prozess müssen die Ursachen, Bedingungen und Auswirkungen der revisionistischen Entartung und der Restauration des Kapitalismus in ausnahmslos allen ehemals sozialistischen Ländern restlos geklärt werden. Damit einhergehen muss die Neuformierung der Marxisten-Leninisten in aller Welt auf der Grundlage schöpferischer Schlussfolgerungen für die Zukunft des revolutionären Befreiungskampfs und für einen neuen Aufschwung des internationalen Kampfs für den Sozialismus/ Kommunismus.
Die Neuorganisation der internationalen Produktion ist ein vorläufiger Höhepunkt der Internationalisierung der kapitalistischen Produktionsweise. Sie leitete eine neue Phase der Entwicklung des imperialistischen Weltsystems ein.
Weil einige wesentliche Hemmnisse für die freie Entfaltung des Weltmarkts beseitigt wurden, kam es am Ende des 20. Jahrhunderts zu einem gewaltigen Schub in der Entwicklung der Produktivkräfte. Kein Land der Welt konnte und kann davon unberührt bleiben. Ein nie da gewesener grenzüberschreitender Konzentrations- und Zentralisationsprozess in Industrie, Agrarwirtschaft, Handel und Banken setzte sich in Gang und veränderte tiefgreifend die wirtschaftliche und politische Landschaft.
Der neue, einheitliche und für die internationalen Monopole relativ frei zugängliche Weltmarkt stellt alle herkömmlichen, noch in erster Linie national organisierten Strukturen von Produktion und Austausch sowie die dazugehörigen Formen der Kommunikation, des Wettbewerbs und der Zusammenarbeit radikal in Frage. Es gelingt den Herrschenden jedoch nicht annähernd, in internationalem Maßstab Produktionsverhältnisse und einen funktionierenden politischen Überbau zu schaffen, die dieser Revolutionierung der Produktivkräfte entsprechen.
Bei allen bürgerlichen Lobgesängen auf die angeblich heilsbringende »Globalisierung« wurden freilich die kapitalistischen Macht- und Eigentumsverhältnisse, die gesellschaftliche Grundlage der Veränderungen, nicht angetastet. Im Gegenteil offenbarte die weltweit agierende Schicht des internationalen Finanzkapitals in kaum zu überbietender Deutlichkeit ihr räuberisches und menschenverachtendes Wesen. Sie diktiert mehr denn je den einzelnen Volkswirtschaften und der nicht monopolisierten Bourgeoisie aller Länder ihre Bedingungen.
Die Nationalstaaten wurden gezwungen, ihre Grenzen weit zu öffnen und nationale Schutzmaßnahmen gegen die internationale Konkurrenz aufzugeben. Wie Heuschreckenschwärme fielen die internationalen Monopole in die neokolonial abhängigen Volkswirtschaften Asiens, Afrikas und Lateinamerikas ein. In einem einzigartigen Raubzug eigneten sie sich deren Arbeitskräfte, Rohstoffbasen, staatliche Einrichtungen, lukrative Industrien an und unterwarfen sich ihre Märkte. Die USA konnten als größte imperialistische Wirtschaftsmacht am meisten von diesem neokolonialistischen Raubzug profitieren.
Die reaktionären Regierungen der neokolonialen Länder öffneten dem imperialistischen Finanzkapital zumeist bereitwillig die Tore. Sie hofften auf einen entsprechenden Anteil an der Beute beim Ausverkauf ihrer Länder. Überall mussten jedoch traditionelle Industrien den internationalen Produktionsverbünden der hochproduktiven Monopolindustrie oder den billigen Handelsströmen aus aller Welt weichen. So wurde diesen Ländern oft der letzte Rest ökonomischer Eigenständigkeit und Unabhängigkeit geraubt.
Unter der betrügerischen Propaganda des »Neoliberalismus« setzte ein weltweiter Prozess der Privatisierung und Monopolisierung staatlicher Betriebe und Einrichtungen ein. Rücksichtslos verschlingt dieser oftmals hart erkämpfte soziale Errungenschaften, die über eine lange Zeit sicher erschienen.
Dabei weicht die herkömmliche Rolle des bürgerlichen Staats als zentraler Regulator der nationalen Ökonomie mehr und mehr einem System der weltweiten Konkurrenz zwischen den Nationalstaaten um die besten Dienstleistungen für die internationalen Monopole, für ihre optimale Kapitalverwertung und für günstige politische Rahmenbedingungen.
Den Kern der Neuorganisation der internationalen Produktion bildet die Tendenz der relativen Auflösung der nationalstaatlichen Organisation der Produktions- und Austauschverhältnisse. An ihre Stelle tritt eine Länder übergreifende Verknüpfung der fortgeschrittensten Produktions- und Austauschweisen unter der Herrschaft des internationalen Finanzkapitals. Eine Welle von grenzüberschreitenden Fusionen und Übernahmen begann die Unternehmenslandschaft neu zu ordnen. Der Konkurrenzkampf zwischen den internationalen Monopolen nahm den Charakter einer gegenseitigen Vernichtungsschlacht an.
Zugleich entstand in den Produktionsstätten der internationalen Monopole und den dazu gehörigen Sonderwirtschaftszonen ein internationales Industrieproletariat, das in erster Linie in einen weltumspannenden Produktionsverbund eingebunden ist.
Die sprunghafte Entwicklung der Telekommunikation, insbesondere des Internets, bescherte dem internationalen Finanzkapital in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre ein außerordentliches Wachstum. An den Börsen sprudelten märchenhafte Spekulationsgewinne. Das ging einher mit gewaltigen Sprüngen in der Arbeitsproduktivität der Lohn- und Gehaltsabhängigen, als in Industrie und Verwaltung die Lean Production eingeführt und eine umfassende Flexibilisierung der Arbeitszeit durchgesetzt wurde. Das führte zu einer neuen Dimension der kapitalistischen Ausbeutung der menschlichen Arbeitskraft. Das internationale Fusionskarussell drehte sich immer schneller, bis es zu Beginn des neuen Jahrtausends im Sumpf einer neuen Weltwirtschaftskrise stecken blieb.
Die Neuorganisation der internationalen Produktion stellt den vergeblichen Versuch dar, die Destabilisierung des imperialistischen Weltsystems aufzuhalten, indem die ganze Welt noch konsequenter dem Diktat des internationalen Finanzkapitals unterworfen wird. Sie konnte jedoch kein einziges Problem des imperialistischen Systems lösen. Im Gegenteil hat sich seine Krisenhaftigkeit verschärft und vertieft. So hat sich eine neue internationale Strukturkrise entfaltet, die zum Schrittmacher einer weltweiten Überproduktionskrise zu Beginn des dritten Jahrtausends wurde. Das System des Neokolonialismus geriet noch tiefer in die Krise. Die globale Umweltkrise hat sich bedrohlich verschärft. Wachsende Massenarbeitslosigkeit, Unterbeschäftigung und Armut, massen-Vernichtung der Existenzen von Kleinbauern stellen die Lebensverhältnisse der Massen weltweit in Frage. Die chronische Krise der bürgerlichen Familienordnung ist zu einer internationalen Erscheinung geworden. Die mehr oder weniger ausgeprägten ökonomischen Erschütterungen der Volkswirtschaften verschärfen die latente politische Krise in allen Ländern. Auch die bisher relativ stabilen imperialistischen Staaten blieben davon nicht unberührt. Weil das imperialistische Weltsystem zunehmend aus den Fugen gerät, suchen die Herrschenden immer mehr ihr Heil im Ausbau des staatlichen Gewaltapparats und im Abbau bürgerlich-demokratischer Rechte und Freiheiten.
Die ungleichmäßige Entwicklung hat eine neue Phase des Kampfs um die Neuaufteilung der Welt zwischen den größten internationalen Monopolen und den größten imperialistischen Mächten eingeleitet. Krieg und Reaktion sind die zentrale Botschaft eines überholten Gesellschaftssystems.
Was einst vom US-Präsidenten George Bush großspurig als »Neue Weltordnung« angekündigt wurde, entpuppte sich als neue internationale politische Unordnung. Dieser zerstörerische und selbstzerstörerische Prozess hat eine gewaltige, umfassende Dimension angenommen. Der gesetzmäßige Drang nach einer grundsätzlichen Lösung muss freilich innerhalb der engen Grenzen der kapitalistischen Gesellschaftsordnung eine unerfüllbare Illusion bleiben. Ein Ausweg ist letztlich nur in internationalem Maßstab und als revolutionäre Umwälzung zu einem sozialistischen Gesellschaftssystem denkbar.
Das imperialistische Weltsystem ist von einer allseitigen Verschärfung aller grundlegenden Widersprüche und wachsender Labilität gekennzeichnet. Das berechtigt, seit Anfang der 1990er Jahre von einer neuen 5. Phase der Allgemeinen Krise des Kapitalismus zu sprechen.
Die Entwicklung der Produktivkräfte hat offenbar eine neue historische Umbruchphase eingeleitet, die in der Höherentwicklung des internationalen Klassenkampfs ihren sichtbaren Ausdruck findet. Die Ausgebeuteten und Unterdrückten der Welt wollen nicht in der kapitalistischen Barbarei untergehen und suchen nach einem gesellschaftlichen Ausweg. In den imperialistischen Zentren ist nach langen Jahren der relativen Ruhe das Klassenbewusstsein der Arbeiterklasse auf breiter Front erwacht. In einer ganzen Reihe der vom Imperialismus neokolonial ausgebeuteten und unterdrückten Länder, insbesondere in Lateinamerika, ging die gesellschaftliche Destabilisierung bereits so weit, dass ein Prozess der Länder übergreifenden revolutionären Gärung einsetzte. Eine weltweite »Anti-Globalisierungs«-, Umwelt- und Friedensbewegung kämpft gegen die menschenverachtenden Folgen der Neuorganisierung der internationalen Produktion und der mit ihr einhergehenden politischen Unordnung.
Willi Dickhut hat Anfang der 1990er Jahre die weitsichtige These aufgestellt, dass die Antwort auf die Internationalisierung der kapitalistischen Produktion die internationale proletarische Revolution sein muss. Als Grundlage dafür muss das internationale Proletariat seine führende Rolle gegenüber den proletarischen und nicht proletarischen Massen im Kampf gegen den Imperialismus wahrnehmen.
Es bleibt die Aufgabe der Marxisten-Leninisten, die neuen Erscheinungen des imperialistischen Weltsystems allseitig zu analysieren und Antworten zu geben auf die daraus erwachsenden ideologischen, politischen und organisatorischen Fragen des proletarischen Klassenkampfs. Es gilt insbesondere, diejenigen Faktoren der neuen gesellschaftlichen Entwicklung aufzufinden, die Ausdruck beschleunigter materieller Vorbereitung auf eine neue Gesellschaft ohne Ausbeutung und Unterdrückung sind und die den Boden für einen neuen Aufschwung des Kampfs für den Sozialismus/Kommunismus bereiten.
Dieses Buch soll einen Beitrag leisten zur ideologisch-politischen Diskussion und Vereinheitlichung in der internationalen marxistisch-leninistischen und Arbeiterbewegung. Es soll Flagge zeigen und den Weg der internationalen proletarischen Revolution propagieren. Das schließt den weltanschaulichen Streit mit den hauptsächlichen reformistischen, revisionistischen oder abenteuerlichen Theorien und Praktiken ein, mit denen das internationale Proletariat bei der Erfüllung seiner historischen Aufgabe fertig werden muss. Ohne einen Sieg in diesem Vorgefecht auf ideologisch-politischem Gebiet wird die internationale proletarische Revolution auch nicht praktisch siegen.
Januar 2003, Stefan Engel
Rezensionen
Am 11.Februar 2026 erschien eine ausführliche Besprechung des Buchs von Stefan Engel “Götterdämmerung über der ‘neuen Weltordnung’” in der täglich aktualisierten alternativen online-Zeitschrift “Canarias Semanal” (canarias-semanal.org)1, Es ist in Form eines Interviews mit Martín Alvarez, der das Buch kürzlich gelesen hat. Es ist eine ausführliche, sachliche Darstellung, die die treffenden Analysen und Prognosen von Stefan Engel würdigt. Einzelne Fehler - so wird Stefan Engel als Intellektueller bezeichnet, er ist Arbeiter, gelernter Schlosser, und statt 2003 wird das Jahr 2000 als Herausgabejahr genannt - sind untergeordnet. Martin Alvarez hat das Buch gründlich gelesen und nennt wesentliche Zusammenhänge des Buchs, die sich in der weiteren Entwicklung bestätigt haben. Umso mehr fällt auf, dass die Herausbildung der Faktoren für die Überwindung der Herrschaft des allein herrschenden Internationalen Finanzkapitals im Interview nicht behandelt werden. Auf dessen Vergänglichkeit weist ja bereits der Titel des Buches hin. So spielt im Interview das internationale Industrieproletariat, das sich mit der Neuorganisation der internationalen Produktion herausgebildet hat, keine Rolle. Damit die Kraft entstanden, die dem imperialistischen Weltsystem an der Spitze der Masse der Unterdrückten überlegen werden kann, um seine Macht in einer internationalen sozialistischen Revolution zu stürzen. „Die Götterdämmerung des internationalen Finanzkapitals … ist der Vorabend einer wirklich neuen Weltordnung – der vereinigten sozialistischen Staaten der Welt.“ Dieser Ausblick im Schlussatz des Buches ist heute umso gewichtiger, als die Neuorganisation der internationalen kapitalistischen Produktion in einer tiefen, unlösbaren Krise steckt. Bis zur akuten Gefahr eines III. Weltkriegs. Alvarez zeigt sich im Interview besonders beeindruckt von der treffenden Prognose über die Krisenhaftigkeit des kapitalistischen Systems und die Zuspitzung der Widersprüche zwischen alten und neu entstehenden imperialistischen Mächten, wo er besonders USA und China nennt. Es bestätigt sich aber auch die Prognose, dass zugleich das Potential einer revolutionären Weltkrise wächst: „Dabei formiert sich in einem ein weltweiter politischen Gärungsprozess eine Einheitsfront gegen Faschismus, Krieg, gegen den Abbau sozialer Errungenschaft und die Ausbeutungsoffensive in den Betrieben“ – das weist die aktuelle Erklärung des ZK der MLPD vom 17.2.26 nach (www.mlpd.de, „Millionen formieren sich weltweit gegen Faschismus und Krieg“).
Hier folgt die Buchbesprechung:
DAS BUCH, WELCHES DAS CHAOS ANKÜNDIGTE: SO WURDE DIE AKTUELLE WELTWEITE UNORDNUNG VORAUSGESAGT, LANG BEVOR SIE AUSBRACH
Canarias-semanal.org
REDAKTION CANARIAS SEMANAL.ORG

Unser regelmäßiger Mitarbeiter Martín Álvarez ist weder Akademiker noch professioneller Aktivist. Er ist vielmehr jemand, der es gewohnt ist, die Bücher, die ihm in die Hände fallen, mit großer Aufmerksamkeit zu lesen, ihren Inhalt mit anderen Büchern zu vergleichen und jedes einzelne in seinen entsprechenden Kontext einzuordnen. Da wir diese Vorgehensweise kennen, haben wir von der Redaktion von Canarias Semanal mit ihm vereinbart, dass er uns von Zeit zu Zeit die Möglichkeit gibt, ihn zu seinen letzten Lektüren zu interviewen, damit seine Beobachtungen und Kommentare unseren Lesern als Referenz dienen können.

Martín Álvarez hat gerade das Buch „Götterdämmerung. Über die „Neue Weltordnung” zu Ende gelesen. Und nach dieser ganz aktuellen Lektüre hat er sich bereit erklärt, unsere Fragen zu beantworten.
Canarias Seminal: Martín, bevor wir uns eingehend mit der Analyse dieses Buches befassen, könntest du uns einige grundlegende Informationen über den Autor, Stefan Engel, geben?
Unser Interviewpartner nimmt sich einen Moment Zeit, bevor er uns antwortet.
Martín Álvarez: Ja, natürlich. Stefan Engel ist ein deutscher marxistischer Intellektueller, (Anmerkung RW-Redaktion: Stefan Engel war Schlosser und freier Publizist) der seit Jahrzehnten einer ideologisch nahestehenden deutschen Partei verbunden ist. Er ist sicherlich kein Autor, der sich nur mit gerade aktuellen Themen befasst, und auch kein Medienessayist. Seine Arbeit steht in einer ganz bestimmten Tradition: der des klassischen Marxismus mit einem starken Willen zur systematischen Analyse.
„Die Götterdämmerung“ ist also kein improvisiertes oder reaktives Buch. Es ist Teil eines umfassenderen theoretischen Projekts, das über Jahre hinweg entwickelt wurde und zu Beginn des Jahrzehnts 2000 zu einem entscheidenden Zeitpunkt erschien: nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und inmitten der Globalisierungsbegeisterung.
Martín Álvarez erklärt uns, dass dieser Kontext grundlegend ist, um den Ton des Buches vollständig zu verstehen.
Martín Álvarez: Engel schrieb, als noch von der „neuen Weltordnung” als Versprechen die Rede war. Als Dinge gesagt wurden wie „der Kapitalismus hat endgültig gesiegt und es gibt keine Alternative”.
Sein Buch entstand zu einem großen Teil als frontale Anfechtung dieser Art von intellektuellem Klima.
Canarias Seminal: : Wie würden Sie das Buch für diejenigen, die es nicht gelesen haben, ganz allgemein und zusammenfassend beschreiben?
Martín Álvarez lächelt leicht und sagt uns:
Martín Álvarez: Nun, dieses Buch versucht zu erklären, warum die Welt seit den 1990er Jahren so funktioniert, wie sie funktioniert. Es konzentriert sich nicht auf Anekdoten oder bestimmte Führungspersönlichkeiten. Es analysiert Strukturen. Die zentrale Idee ist, dass nach dem Ende des Sowjetblocks der Kapitalismus in eine neue Phase eintritt, die durch die internationale Neuordnung der Produktion unter der Herrschaft großer Monopole und des Finanzkapitals gekennzeichnet ist. Was uns als „Globalisierung” präsentiert wird, sollte kein neutraler und für alle vorteilhafter Prozess sein, sondern eine spezifische Form der Neuordnung der Wirtschaftsmacht auf globaler Ebene.
Martín macht eine Pause und fügt hinzu:
Martín Álvarez: „Das Buch behauptet, dass dieser Prozess keine Stabilität gebracht hat, sondern weitere Krisen. Wirtschaftskrisen, soziale Krisen, politische Krisen und auch eine tiefe ökologische Krise. Und es stellt die These auf, dass die sogenannte „neue Weltordnung” in Wirklichkeit eine strukturelle Unordnung ist, die das System selbst nicht korrigieren kann.
Bevor wir diese einführende Einführung abschließen, baten wir ihn um eine abschließende Klarstellung.
Canarias Seminal: : Handelt es sich um ein populärwissenschaftliches oder ein anspruchsvolles Buch?
Martín Álvarez: Es ist zweifellos anspruchsvoll. Es ist kein leicht zu lesender Text. Aber sein Ziel ist es nicht, zu beeindrucken, sondern zu erklären und zu präzisieren. Es möchte, dass der Leser die grundlegenden Mechanismen versteht, auch wenn dies eine gewisse Anstrengung erfordert.
Damit ist der Rahmen gesetzt: Autor, Kontext und allgemeine These. Von nun an werden wir uns den Schlüsselfragen zuwenden, die es uns ermöglichen, die Ausrichtung und die wichtigsten Aspekte des Buches nacheinander in Ruhe zu beleuchten.
Canarias Seminal: : Aus welcher ideologischen und politischen Perspektive ist El crepúsculo de los dioses geschrieben?
Martín Álvarez: Es ist aus einer marxistischen und ausgesprochen leninistischen Perspektive geschrieben, sehr klar und explizit.
Es versucht nicht, seine Position zu verschleiern oder einen neutralen Ton anzuschlagen. Aber es ist auch keine Pamphlet. Es ist ein Buch, das von einer klar definierten politischen Position ausgeht und von dort aus eine strukturelle Analyse des zeitgenössischen Kapitalismus aufbaut.
Canarias Seminal: Das Buch hinterfragt frontal die Idee einer „neuen Weltordnung”. Was versteht Engel unter diesem Begriff?
Martín Álvarez: Engel versteht die „neue Weltordnung” als einen politischen Slogan und nicht als eine geordnete Realität. Dem Buch zufolge wurde sie verwendet, um das als „Fortschritt” darzustellen, was in Wirklichkeit eine Umgestaltung der Wirtschaftsmacht in den Händen großer internationaler Monopole nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion war.
Canarias Seminal: : Sie haben zuvor die „Neuorganisation der internationalen Produktion” erwähnt. Warum ist dieses Thema so zentral in dem Buch?
Martín Álvarez: Weil für Engel darin der Schlüssel zu allem liegt. Er analysiert die Globalisierung nicht als „kulturellen oder kommerziellen Austausch”, sondern als „eine konkrete Form der Organisation der Produktion auf globaler Ebene”. Unternehmen produzieren in verschiedenen Ländern, fragmentieren Prozesse und unterwerfen ganze Volkswirtschaften ihren Rentabilitätsanforderungen.
Canarias Seminal: : Welche Rolle spielen internationale Monopole in dieser Analyse?
Martín Álvarez: Sie sind der zentrale Dreh- und Angelpunkt. Das Buch argumentiert, dass wir nicht mehr nur von großen Unternehmen sprechen, sondern von Supermonopolen, die ganze Sektoren des Weltmarktes dominieren. Diese Monopole beeinflussen nicht nur die Wirtschaft, sondern auch die Politik der Staaten.
Canarias Seminal: : Und wie sieht es in diesem Szenario mit den Nationalstaaten aus?
Martín Álvarez: Sie sind geschwächt. Das Buch erklärt uns, dass die Staaten weiterhin existieren, aber immer weniger tatsächlichen Entscheidungsspielraum haben. Sie konkurrieren miteinander um Kapital, schränken Arbeits- und Steuerrechte ein und agieren letztendlich eher als Verwalter fremder Interessen denn als Vertreter ihrer Bevölkerung.
Canarias Seminal: : Aus sozialer Sicht, Martín, welche Folgen hebt Engel hervor?
Martín Álvarez: Vor allem die allgemeine Prekarisierung. Etwas, das sich unerbittlich bewahrheitet hat. Er spricht von einem internationalen Proletariat, das unter ständigem Druck steht, mit weniger Stabilität und weniger Verteidigungsmöglichkeiten. Er weist auch auf den Anstieg der Arbeitslosigkeit, die Existenzunsicherheit und die Zerstörung historischer sozialer Errungenschaften hin.
Canarias Seminal: : Das Buch widmet den Krisen viel Raum. Wie interpretiert Stefan Engel sie?
Martín Álvarez: Nicht als Zufälle. Engel betont, dass Krisen strukturell sind, dem System selbst innewohnen. Wirtschaftliche, finanzielle, politische und soziale Krisen. Sie entstehen nicht, weil etwas schlecht funktioniert, sondern weil das Funktionieren des globalen Kapitalismus selbst diese Spannungen erzeugt.
Canarias Seminal: : Und die ökologische Krise? Welchen Platz nimmt sie in der Gesamtanalyse ein?
Martín Álvarez: Einen zentralen Platz. Das Buch argumentiert, dass die Logik der Gewinnmaximierung mit dem Umweltschutz unvereinbar ist. Der Wettbewerb zwischen Monopolen und Staaten verhindert echte Lösungen und macht die ökologische Krise zu einer permanenten Bedrohung.
Canarias Seminal: : Bietet das Buch einen Ausweg oder eine Alternative zu der von ihm gestellten Diagnose?
Martín Álvarez: Ja, aber nicht in Form von Teilreformen. Engel argumentiert, dass das System nicht von innen heraus korrigiert werden kann und dass der einzige wirkliche Ausweg ein tiefgreifender sozialer Wandel auf internationaler Ebene wäre. Es ist ein eindeutig revolutionärer Vorschlag, der mit seinem theoretischen Rahmen im Einklang steht.
Canarias Seminal: : Für wen ist „Die Götterdämmerung” nach der Lektüre geschrieben?
Martín Álvarez: Für Leser, die die Welt aus einer strukturellen und kritischen Perspektive verstehen wollen. Es ist kein Buch für den schnellen Konsum oder zur Beruhigung des Gewissens. Es ist ein Text, der Aufmerksamkeit erfordert und den Leser eher politisch bilden will, als ihn mit einfachen Sätzen zu überzeugen.
Canarias Seminal: Wie analysieren Sie den Zusammenbruch der Sowjetunion?
Martín Álvarez: Das Buch analysiert den Zusammenbruch der Sowjetunion auf eine ganz andere Weise als die vorherrschende Darstellung. Es präsentiert ihn weder als Scheitern des Sozialismus an sich noch als einfache Niederlage gegenüber dem Westen. Laut „Der Götterdämmerung” bricht nicht ein sozialistisches System zusammen, sondern ein Modell, das jahrzehntelang als bürokratischer Staatskapitalismus funktioniert hat.
Engel vertritt die Ansicht, dass die Sowjetunion ihren sozialistischen Charakter schon lange vor 1991 verloren hatte. Er datiert diesen Wandel auf die Jahre nach Stalins Tod, als eine neue bürokratische Elite begann, wirtschaftliche und politische Macht zu konzentrieren. Diese Elite agierte laut dem Autor wie eine Bourgeoisie neuen Typs und verwaltete die Wirtschaft nach Kriterien der Akkumulation und des Wettbewerbs, obwohl sie eine sozialistische Sprache beibehielt.
Aus dieser Perspektive war der Zusammenbruch weder ein Unfall noch ein plötzlicher Verrat, sondern das logische Ergebnis eines langen Prozesses der inneren Degeneration. Die sowjetische Wirtschaft, die streng national organisiert war, konnte sich nicht an die neue Phase der Internationalisierung der kapitalistischen Produktion anpassen, die seit den 1970er und 1980er Jahren rasch voranschritt. Der technologische Rückstand, die geringe Produktivität und die relative Isolation vom Weltmarkt schwächten ihre materielle Basis.
Das Buch lehnt auch die Vorstellung ab, dass der Zusammenbruch der Sowjetunion das „Ende der Geschichte” markiere. Im Gegenteil, Engel interpretiert ihn als eine weitere Episode der allgemeinen Krise des imperialistischen Weltsystems. Das Verschwinden dieses Blocks löste nicht die Widersprüche des Kapitalismus, sondern ermöglichte eine aggressivere Offensive des Finanzkapitals auf globaler Ebene.
Kurz gesagt, die sowjetische Implosion wird als das Scheitern eines revisionistischen und bürokratischen Modells dargestellt, nicht als Beweis dafür, dass es keine Alternative zum Kapitalismus gibt. Für den Autor eröffnet dieser Zusammenbruch eine neue Phase der weltweiten Unordnung und offenbart gleichzeitig die historischen Grenzen des herrschenden Systems.
Canarias Seminal: : Das Buch wurde im Jahr 2000 (Anmerkung RW-Redaktion: Erscheinungsjahr 2003) geschrieben. Hat Engel damals irgendwelche Prognosen über den Hegemonialstreit zwischen China, Russland und den Vereinigten Staaten abgegeben?
Ja, allerdings nicht in den üblichen Begriffen der aktuellen Mediengeopolitik. Das Buch enthält keine konkreten Vorhersagen wie „dieses Land wird gewinnen” oder „jenes Land wird untergehen”, sondern formuliert einen Analyserahmen, der eindeutig eine Verschärfung des Hegemonialstreits zwischen den Großmächten vorhersagt.
In „Die Götterdämmerung” geht Engel von einer zentralen Idee aus: Das Verschwinden der Sowjetunion läutet nicht eine Ära stabiler Hegemonie der Vereinigten Staaten ein, sondern eine Übergangsphase, die durch die Aufteilung und Neuaufteilung der Welt gekennzeichnet ist. Aus dieser Perspektive erscheint die Hegemonie der Vereinigten Staaten zwar unmittelbar stark, aber strukturell instabil.
Was Russland betrifft, so wird es in dem Buch nicht als endgültig besiegte Macht dargestellt. Engel interpretiert den Zusammenbruch der Sowjetunion als einen Fall, auf den ein Prozess der kapitalistischen Neugestaltung folgte. Russland erscheint als ein in den 1990er Jahren geschwächter Akteur, aber mit dem Potenzial, wieder um Machtpositionen zu kämpfen, gerade weil das Weltwirtschaftssystem diese Konfrontation zwischen den Mächten fördert.
Was China betrifft, ist die Analyse aus heutiger Sicht besonders bedeutsam. Das Buch definierte es bereits damals als eine aufstrebende sozialimperialistische Macht. Es behandelt es weder als ein Entwicklungsland noch als eine Ausnahme vom globalen Kapitalismus, sondern als einen Akteur, der starke staatliche Kontrolle mit aggressiver Einbindung in den Weltmarkt verbindet. Engel sagt voraus, dass seine Integration in die Weltwirtschaft keine Harmonie bringen würde, sondern neue zwischenimperialistische Spannungen.
Was die Vereinigten Staaten betrifft, ist die Prognose klar: Sie werden weiterhin die führende Macht bleiben, aber ihre Führungsrolle wird zunehmend von militärischer Stärke, politischem Druck und finanzieller Dominanz abhängen, nicht von einer gemeinsamen wirtschaftlichen Stabilität. Die von Washington angekündigte „neue Weltordnung” wird als hegemoniales Bestreben beschrieben, nicht als akzeptiertes Gleichgewicht.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Buch kein Spielfeld mit Daten und Siegern zeichnet, aber etwas Grundlegendes vorhersagt: dass der Wettbewerb zwischen den Vereinigten Staaten, China und Russland keine zukünftige Anomalie sein würde, sondern eine logische Folge der neuen Phase des globalen Kapitalismus. Der aktuelle hegemoniale Streit widerspricht nicht der Analyse von Engels, sondern bestätigt sie aus der Sicht seines theoretischen Rahmens.
Canarias Seminal: : Wie beschrieb Engels dann die aktuelle Weltlage im Jahr 2000, als er das Buch schrieb?
Martín Álvarez: Engels beschrieb die Weltlage zu Beginn des Jahres 2000 als eine Phase des instabilen Übergangs, nicht als ein neues Gleichgewicht. In „Götterdämmerung über der neuen Weltordnung” argumentiert er, dass die Welt in eine Phase eingetreten sei, in der die alte bipolare Ordnung verschwunden sei, ohne dass ein System entstanden sei, das dauerhafte Stabilität gewährleisten könne.
Für ihn war das zentrale Merkmal dieser Zeit die strukturelle Desorganisation des imperialistischen Weltsystems. Die Vereinigten Staaten erschienen als dominierende Macht, aber nicht als solide Hegemonialmacht, sondern als ein Akteur, der gezwungen war, seine Führungsrolle in einem Kontext wachsender wirtschaftlicher, politischer und sozialer Widersprüche durchzusetzen. Die Vorherrschaft existierte, war aber fragil und hing zunehmend von Zwangsmaßnahmen ab.
Engel beschreibt eine Welt, die geprägt ist von der aggressiven Expansion des Finanzkapitals, das die Produktion auf globaler Ebene neu organisiert, ohne politische Institutionen zu schaffen, die in der Lage wären, sie zu regulieren. Das Ergebnis ist eine hochintegrierte Weltwirtschaft, die jedoch politisch fragmentiert ist. Die Produktivkräfte schreiten voran, während die Machtstrukturen zurückbleiben.
Diese Diskrepanz führt laut dem Buch zu einer Anhäufung gleichzeitiger Krisen: wiederkehrende Wirtschaftskrisen, Schwächung der Staaten, regionale Kriege, steigende Arbeitslosigkeit und eine ökologische Krise, die globale Ausmaße annimmt. Nichts davon wird als außergewöhnlich dargestellt, sondern als normale Symptome der neuen Phase.
In diesem Zusammenhang spricht Engel bereits von einem neuen Kampf um die Aufteilung der Welt. Nicht als exakte Wiederholung der Kriege des 20. Jahrhunderts, sondern als zunehmender Wettbewerb zwischen Großmächten und Monopolen um Märkte, Ressourcen und Einflussbereiche. Die Weltlage erscheint somit zunehmend konfliktreich.
Zusammenfassend sah Engel im Jahr 2000 keine geordnete Welt nach dem Ende des Kalten Krieges, sondern ein System, das sein altes Gleichgewicht verloren hatte, ohne ein neues aufgebaut zu haben. Eine Welt, die wirtschaftlich stärker integriert, aber politisch instabiler ist und eher auf tiefere Konflikte als auf die versprochene Harmonie zusteuert.
Canarias Seminal: : Glaubst du aus heutiger Sicht, dass das Buch mit seinen Zukunftsprognosen richtig lag?
Martín Álvarez: Aus heutiger Sicht kann man sagen, dass das Buch im tiefen Sinne seiner Prognosen richtig lag, wenn auch nicht unbedingt in allen konkreten Details.
In „Die Götterdämmerung” gibt es keine datierten Prophezeiungen oder festgelegten Szenarien, aber es gibt eine strukturelle Lesart, die Trends vorwegnimmt, die im Laufe der Zeit mehr als sichtbar geworden sind.
Sein größter Verdienst besteht darin, die Idee einer stabilen Welt unter amerikanischer Vorherrschaft abgelehnt zu haben. Zu Beginn der 2000er Jahre schien diese Vorherrschaft unbestreitbar. Engel behauptete entgegen der vorherrschenden Meinung, dass sie fragil, kostspielig aufrechtzuerhalten und dazu bestimmt sei, Widerstand zu erzeugen. Heute ist offensichtlich, dass diese Führungsrolle nicht zu Ordnung, sondern zu langwierigen Konflikten, indirekten Kriegen und einer zunehmenden internationalen Polarisierung geführt hat.
Er lag auch richtig mit seiner Vorhersage, dass die Globalisierung weder zu sozialer Konvergenz noch zu allgemeinem Wohlstand führen würde. Die Prekarisierung der Arbeit, die Zunahme der Ungleichheit und die Existenzunsicherheit, die er in seinem Buch beschreibt, haben sich nicht nur bestätigt, sondern sogar auf zentrale Länder ausgeweitet, die zuvor als geschützt galten.
Ein weiterer wichtiger Erfolg ist seine Einschätzung Chinas. Zu einer Zeit, als viele das Land als einfachen Nutznießer der von den Vereinigten Staaten angeführten Ordnung betrachteten, analysierte Engel es bereits als aufstrebende kapitalistische Macht, die dazu bestimmt war, mit dieser Ordnung zu kollidieren. Die derzeitige strategische Rivalität bestätigt diese grundlegende Intuition.
Wo das Buch aus heutiger Sicht am umstrittensten sein könnte, ist das Tempo und die Form der Prozesse. Einige Entwicklungen waren chaotischer und weniger linear, als es der theoretische Rahmen vermuten lässt. Es sind auch neue Phänomene aufgetreten – technologische, kulturelle, politische –, die in der ursprünglichen Analyse keine zentrale Rolle spielen.
Wenn man das Buch jedoch nicht nach seiner Fähigkeit beurteilt, konkrete Ereignisse vorherzusagen, sondern danach, dass es die grundlegenden Dynamiken identifiziert hat – strukturelle Unordnung, wiederkehrende Krisen, Hegemonialstreitigkeiten und Grenzen des Systems –, ist die Bilanz eindeutig: Die Zeit hat eher für seine Warnungen gesprochen als für den Optimismus, der zum Zeitpunkt seiner Entstehung vorherrschte.
Canarias Seminal: : Hat das Buch vorausgesagt, dass China zu einer imperialistischen Großmacht werden würde?
Martín Álvarez: Ja, explizit und ziemlich früh. Das Buch deutet nicht nur diese Möglichkeit an, sondern behauptet eindeutig, dass China zum Zeitpunkt seiner Entstehung bereits auf dem Weg war, eine imperialistische Großmacht zu werden.
In „Götterdämmerung über der ‚neuen Weltordnung’” widmet Engel einen eigenen Abschnitt China und definiert es als eine aufstrebende sozialimperialistische Macht. Mit diesem Begriff möchte er zwei Ideen gleichzeitig unterstreichen. Einerseits, dass China eine starke sozialistische Rhetorik und eine bedeutende staatliche Kontrolle beibehält. Andererseits, dass seine tatsächliche Funktionsweise von kapitalistischen Logiken der Akkumulation, Expansion und internationalen Konkurrenz bestimmt wird.
Das Buch lehnt die damals weit verbreitete Ansicht ab, dass China lediglich ein Entwicklungsland sei, das passiv von der Globalisierung profitiere. Engel argumentiert, dass seine Integration in den Weltmarkt nicht untergeordnet, sondern strategisch sei. China erscheint bereits damals als ein Akteur, der den internationalen Handel, ausländische Investitionen und seine enorme Arbeitskraft nutzt, um eigene Wirtschaftsmacht aufzubauen.
Darüber hinaus sagt Engel voraus, dass dieser Aufstieg weder friedlich noch harmonisch verlaufen würde. Seiner Analyse zufolge war ein China, das zu einer kapitalistischen Großmacht geworden war, dazu bestimmt, in Konflikt mit den bereits dominierenden Mächten, insbesondere den Vereinigten Staaten, zu geraten, da das imperialistische System kein unbegrenztes Wachstum ohne Konflikte zulässt.
Es ist wichtig zu betonen, dass das Buch China weder als Ausnahme vom globalen Kapitalismus noch als systemische Alternative beschreibt. Im Gegenteil, es stellt es in denselben Zusammenhang wie die anderen Mächte: wirtschaftliche Expansion, Suche nach Märkten, Sicherung von Ressourcen und Ausbau des politischen und militärischen Einflusses.
Aus heutiger Sicht ist bemerkenswert, dass Engel nicht nur den Aufstieg Chinas vorhersagte, sondern dies auch gegen den Konsens seiner Zeit tat, als noch die Vorstellung vorherrschte, dass China sich fügsam in eine von den Vereinigten Staaten angeführte Weltordnung integrieren würde. In diesem Punkt ist die Prognose des Buches besonders zutreffend.
Canarias Seminal: : Hat dieser Engel etwas mit Friedrich Engels, dem Verfasser des Kommunistischen Manifests, zu tun?
Martín Álvarez: Nein, überhaupt nicht. Es besteht weder eine persönliche noch eine direkte familiäre Verbindung. Stefan Engel ist in keiner Weise mit Friedrich Engels verwandt, dem Verfasser des Kommunistischen Manifests zusammen mit Karl Marx. Die Übereinstimmung des Nachnamens kann zu Verwirrung führen, aber es handelt sich um Personen, die mehr als ein Jahrhundert voneinander getrennt sind und aus sehr unterschiedlichen historischen Kontexten stammen.
Die Beziehung zwischen beiden ist intellektueller, nicht biografischer Natur. Stefan Engel stellt sich bewusst in die theoretische Tradition, die von Marx und Friedrich Engels begründet und später von Lenin weiterentwickelt wurde. Sein Werk zielt darauf ab, diesen Analyserahmen zu aktualisieren, um den zeitgenössischen Kapitalismus zu interpretieren, und nicht darauf, ein familiäres Erbe fortzuführen.
Tatsächlich stützt sich der Ansatz von „El crepúsculo de los dioses” (Götterdämmerung über der neuen Weltordnung) ausdrücklich auf die klassischen Konzepte des Marxismus – Imperialismus, Finanzkapital, systemische Krise – und passt sie an die Situation nach dem Kalten Krieg an. In diesem Sinne präsentiert sich Stefan Engel als Fortführer der Lehre, nicht als Nachkomme oder als eine Figur, die mit dem historischen Engels auf andere Weise als theoretisch verbunden ist. Um es klar zu sagen: Sie teilen den Nachnamen und die ideologische Tradition, aber nicht die Genealogie, die Epoche oder irgendeine persönliche Verbindung.
1 Unter dem Titel „EL LIBRO QUE ANUNCIÓ EL CAOS: ASÍ SE PREDIJO EL ACTUAL DESORDEN MUNDIAL, MUCHO ANTES DE QUE ESTALLARA“
Dmitrij Kostenko aus Russland von der Marxistisch-Leninistischen Plattform in der RKAP RPK (heute ML Plattform Russland) schrieb am 12. 2. 08:
„Die Analyse von Willi Dickhut ,Die Restauration des Kapitalismus in der Sowjetunion‘ ist eine wichtige Arbeit, die die Zeit unter Chruschtschow und Breschnew untersucht. Sie hat große Bedeutung, weil sie zeigt, dass die wirtschaftliche und gesellschaftliche Struktur unter dem Revisionismus kein Staat des Proletariats, sondern eine Diktatur neuer Schichten, einer neuen Bourgeoisie war. Diese Analyse ist auch heute für uns wichtig, um zu verstehen, dass das Land in den 70er Jahren nicht in den Händen des Proletariats, sondern in den Händen dieser neuen Schicht war. Daraus müssen wir Lehren ziehen, um im Kampf für einen neuen Sieg des Sozialismus die Fehler der revisionistischen Entartung nicht zu wiederholen.
Khan Rano, ZK der Arbeiterpartei Bangladeschs:
„Die MLPD hat einen großen theoretischen Beitrag zur Analyse der gegenwärtigen kapitalistischen Weltwirtschaft und der Internationalisierung der kapitalistischen Produktion geleistet, besonders in dem Buch „Götterdämmerung über der ,neuen Weltordnung‘“ von Stefan Engel … Diese theoretische Schlussfolgerung ist direkt verbunden mit der Strategie und Taktik des Weltproletariats im Kampf für die Weltrevolution und mit der praktischen Aufgabe des Parteiaufbaus sowie enger Koordination unter den marxistisch-leninistischen Parteien …“
„Wir denken, dass das Buch von Stefan Engel ,Götterdämmerung über der neuen Weltordnung‘ ein großer Beitrag für das internationale revolutionäre Denken ist … Die kapitalistische Produktionsweise wird internationalisiert und überschreitet die nationalen Grenzen, aber sie ändert ihr Wesen nicht: die Ausbeutung der Arbeitskraft …“