Interview

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Den weltanschaulichen Kampf verstärken!

Interview mit Stefan Engel, Leiter der Redaktion REVOLUTIONÄRER WEG anlässlich der Veröffentlichung des Buchs „Die Krise der bürgerlichen Ideologie und des Antikommunismus“.

Von Stefan Engel
Den weltanschaulichen Kampf verstärken!

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Diese Woche erscheint das Buch „Die Krise der bürgerlichen Ideologie und des Antikommunismus“, das unter deiner Schriftleitung entstanden ist. Um was geht es in diesem Buch?

Stefan Engel: Es ist die Buchausgabe des theoretischen Organs REVOLUTIONÄRER WEG Nummer 36 mit dem gleichnamigen Titel. Wir veröffentlichen damit den ersten Teil einer vierbändigen Buchreihe mit dem Gesamttitel „Die Krise der bürgerlichen Ideologie und die Lehre von der Denkweise“.
Der erste Teil befasst sich mit der grundsätzlichen Bedeutung der Ideologie im gesellschaftlichen Leben, der Krise der bürgerlichen Ideologie und der Überlegenheit der proletarischen Ideologie. Er beinhaltet unter anderem die Kritik an der Theorie von der Ideologiefreiheit, an der idealistischen These von der Vereinigung von Materialismus und Idealismus und am Antikommunismus in den verschiedensten Varianten. Er befasst sich auch mit der weltanschaulichen Grundlage des Faschismus, der Krise des modernen Revisionismus und der Bedeutung der Großen Proletarischen Kulturrevolution in China.

Die Krise der bürgerlichen Ideologie und des Antikommunismus

220 Seiten

ab 12,99 €

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Warum erscheint das Buch gerade jetzt? Gibt es nicht wichtigere Themen?

Stefan Engel: Die Weltwirtschafts- und Finanzkrise, die seit 2018 erneut ausgebrochen ist und sich mit der Covid-19-Pandemie erheblich verschärft hat, oder die die Existenz der Menschheit bedrohende Umweltkrise sind sicherlich wichtige Themen. Was die Antworten darauf sind, darüber gibt es einen entfalteten weltanschaulichen Kampf in der Gesellschaft.

Das Buch über die Krise der bürgerlichen Ideologie passt wunderbar in die Zeit. Wir haben es mit einer großen Verwirrung unter den Massen darüber zu tun, wie bestimmte Dinge zu beurteilen sind. Nicht selten ist es sogar so, dass ein und dieselbe Person fortschrittliche Auffassungen und zugleich eine ultrareaktionäre Position zur Flüchtlingsfrage oder zu Covid-19 vertritt. Wie will man die richtigen Schlüsse aus den gesellschaftlichen Krisen ziehen, wenn diese Verwirrung nicht aufgelöst wird?
Dieses weltanschauliche Durcheinander hat Ursachen, die man ergründen muss. Die sogenannte „Querdenker“-Bewegung zum Beispiel, die das Krisenmanagement der Merkel-Regierung von rechts kritisiert und deren Forderungen sich weitgehend mit den reaktionären Positionen der Unternehmerverbände BDI und BDA decken, ist ein typisches Beispiel für eine solche weltanschauliche Verwirrungstaktik. „Hauptsache gegen die Regierung“ ist kein fortschrittlicher Standpunkt, wenn er zugleich mit reaktionären, zum Teil faschistischen Schlussfolgerungen einhergeht. Hier ist ein fundierter proletarischer Klassenstandpunkt notwendig!

Was wäre denn ein fundierter proletarischer Klassenstandpunkt in der Corona-Frage?

Stefan Engel: Erstens brauchen wir radikale Maßnahmen zum Gesundheitsschutz der Bevölkerung vor der Covid-19-Pandemie. Die Regierung in Deutschland weiß dagegen seit sechs Wochen, dass wir uns in einer dritten Welle befinden, die verheerender sein kann als die beiden vorherigen Wellen der Pandemie. Aber sie unterlässt bewusst das Wesentliche – aus Rücksicht auf die Monopole und ihre Profitmacherei in der industriellen Produktion. Wenn sie Maßnahmen ergreift, dann nur zur Einschränkung des privaten Lebens, der demokratischen Rechte und Freiheiten oder auf Kosten kleinerer Geschäfte und Restaurants. Dass es auch anders geht, zeigt das Beispiel von Maharashtra, einem Bundesstaat in Indien mit etwa doppelt so vielen Einwohnern wie Deutschland. Dort wurde Mitte April, nach Infektionen von circa 50 000 pro Tag, ein vierzehntägiger Lockdown des gesamten öffentlichen Lebens einschließlich der Industrieproduktion (mit Ausnahme lebensnotwendiger Betriebe) verhängt.

Zweitens ist es notwendig, dass die Krisenlasten von den Monopolen, den Kapitalisten, getragen und nicht samt und sonders auf die Masse der Bevölkerung abgeladen werden. Es ist ein Witz, dass die Monopole jetzt Sturm laufen gegen eine gesetzliche Testpflicht in den Betrieben, weil das unzumutbare Belastungen bedeuten würde. Und was ist mit den Belastungen der Arbeiter und Angestellten, die ohne Rücksicht auf ihre gesundheitliche Gefährdung weiter malochen müssen, als wäre nichts geschehen?

Drittens ist es im Interesse der Bevölkerung, dass die Arbeiterklasse sich möglichst schnell wieder freier bewegen, sich entfalten, demonstrieren, diskutieren und streiken kann. Deshalb ist es notwendig, schnelle und wirksame Maßnahmen zu treffen, statt diesem sich seit Monaten hinziehenden Lockdown light, der offensichtlich nicht hilft. Er soll im Grunde genommen nur verhindern, dass das Gesundheitswesen mit seiner beschränkten Zahl von Intensivbetten kollabiert. Es ist reichlich zynisch, wie die Bundesregierung bisher offiziell 80 000 Tote und Hunderttausende Covid-Erkrankte mit Langzeitfolgen hinnimmt, nur um zu verhindern, dass die Industrieproduktion – und damit die zentrale Stätte der Profitmacherei – größeren Schaden erleidet.

Viertens wird natürlich auch die Parteiarbeit der MLPD durch die Pandemie empfindlich eingeschränkt, was durch einen radikalen Lockdown auf Kosten der Profite und beschleunigtes Impfen schnell überwunden werden müsste.

Der Schwerpunkt des ersten Teils des Buchs liegt offenbar auf der Analyse und der Polemik gegen den Antikommunismus. Warum ist das so?

Stefan Engel: Seit der offenen Krise des Reformismus und des modernen Revisionismus hat die zerstörerische Wirkung der kleinbürgerlich-reformistischen und kleinbürgerlich-revisionistischen Denkweise auf die Arbeiterklasse und die breiten Massen dramatisch an Einfluss eingebüßt. Der Antikommunismus und seine Wirkung als kleinbürgerlich-antikommunistische Denkweise unter den Massen ist zum derzeitigen Haupthindernis in der Entwicklung des Klassenbewusstseins geworden.

Wird es nicht zur Abwehrschlacht, sich mit dem Antikommunismus so ausführlich zu befassen?

Stefan Engel: Keineswegs! In dem Buch können wir nachweisen, dass der Antikommunismus seit dem Zweiten Weltkrieg zwar schwerwiegende Schäden für die revolutionäre Arbeiterbewegung hinterlassen hat, aber dennoch in einer latenten Krise steckt. Immer wieder musste er sich scheinbar dem Zeitgeist anpassen, um seinen Einfluss auf die Massen aufrechtzuerhalten und taktische Offensiven zu starten.

Am Ende des Zweiten Weltkriegs hatten die Anti-Hitler-Koalition und die damals sozialistische Sowjetunion den Faschismus zerschlagen. Das brachte den Antikommunismus in seine bis dahin tiefste Krise. Nicht nur die faschistische Variante des Antikommunismus verlor massiv an Zustimmung, sondern die gesamte kapitalistische Ordnung.
Ausgehend von den USA sollte der Einfluss des Sozialismus eingedämmt werden. Die Adenauer-Regierung belebte den offen reaktionären Antikommunismus wieder. Allerdings konnte dieser seine abschreckende Wirkung nur zeitweilig aufrechterhalten. Deshalb entwickelten die Herrschenden neben der offen reaktionären Spielart eine demokratisch verbrämte Variante des Antikommunismus. Die Philosophen der „Frankfurter Schule“ waren mit ihrem „kritischen“ Antikommunismus ideale Kronzeugen. Sie vertraten kapitalismuskritische Positionen – entstellten aber zugleich die Theorie des Marxismus-Leninismus und verleumdeten den sozialistischen Aufbau der Sowjetunion zur Zeit Stalins.

Um den erfolgreichen Aufbau einer revolutionären Arbeiterpartei neuen Typs zu bekämpfen, wurden die „Grünen“ gefördert. Sie diffamierten den marxistisch-leninistischen Begriff des demokratischen Zentralismus als „Zentralismus ohne Demokratie“ zur Rechtfertigung ihrer Abkehr von der „ML-Bewegung“ der 1970er-Jahre. Ihr idealistisches Gegenkonzept der „Basisdemokratie“ war allerdings ein Rohrkrepierer und die Grünen entwickelten sich zur staatstragenden Monopolpartei.

Mit dem Prozess der Wiedervereinigung Deutschlands, den mehrmaligen Übergängen zur Arbeiteroffensive in den 1980er-, 1990er- und 2000er-Jahren entwickelten die Herrschenden den modernen Antikommunismus. Dieser gibt sich fortschrittlich, demokratisch und antifaschistisch, ist jedoch keinen Deut weniger aggressiv mit seinen unglaublichen Angriffen gegen einen vermeintlichen „Stalinismus“ und „Maoismus“. Er wurde in Betrieben und Gewerkschaften zur hauptsächlichen Methode, um die MLPD zu isolieren und zu unterdrücken.

Die Regierung Schröder/Fischer sowie die Regierung Merkel bedienten sich des Systems der kleinbürgerlichen Denkweise als grundlegender Regierungsmethode. Der moderne Antikommunismus ist der Kern dieses Systems der kleinbürgerlichen Denkweise. Mit Hilfe der Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und der bürgerlichen Parteien wurde versucht, die Arbeiterbewegung, alle sozialen Bewegungen, die antifaschistische Bewegung, die kämpferische Frauenbewegung, den Umweltkampf und den Kampf gegen die reaktionäre Flüchtlingspolitik der Regierung mit einer kleinbürgerlich-antikommunistischen Denkweise auszurichten. So entstand ein regelrechter Damm gegen den wissenschaftlichen Sozialismus in der Arbeiter-, Volks-, Jugend- und Frauenbewegung. Das Buch setzt sich mit diesen Vorgängen kritisch auseinander, deckt zugleich die grundlegende Schwäche des Antikommunismus auf und gibt überzeugende Argumente gegen ihn an die Hand.

Ist es nicht ein Widerspruch, von einer Krise des Antikommunismus zu sprechen und die kleinbürgerlich-antikommunistische Denkweise zugleich zum Haupthindernis in der Entwicklung des Klassenbewusstseins zu erklären?

Stefan Engel: Natürlich, aber wir müssen die Dialektik dieses Widerspruchs verstehen. Die Krisen des Antikommunismus zeigen, dass er trotz ständiger Modifizierung und Nachbesserung nicht in der Lage ist, die Freiheitsideologie des Kommunismus nachhaltig aus der Arbeiterklasse zu verbannen. Der Antikommunismus kommt nie für längere Zeit aus seiner Defensive, weil er grundlegend in Widerspruch zur Wirklichkeit sowie zu den Interessen der großen Mehrheit der breiten Massen steht.

Zugleich gilt, je mehr der Antikommunismus in die Defensive gerät, desto mehr schlägt er um sich. Er ist eine nicht zu unterschätzende wirksame Waffe der Herrschenden. Mit seinem reaktionären Gedankengut wollen sie die Massen gegen den Sozialismus aufbringen, sie verunsichern und verhindern, dass sich ein revolutionäres Bewusstsein herausbildet. Dazu werden diffuse kleinbürgerlich-antikommunistische Vorbehalte gegen den Kommunismus geschürt und es wird versucht, die Marxisten-Leninisten gesellschaftlich zu isolieren.

Befasst sich das Buch nur mit der Krise der bürgerlichen Ideologie?

Stefan Engel: Hauptsächlich geht es in dem Buch darum, den Kampf zwischen proletarischer und bürgerlicher Ideologie, zwischen Materialismus und Idealismus und zwischen Dialektik und Metaphysik erfolgreich auszufechten.

Als Höhepunkt des Buchs wird die Bedeutung der Großen Proletarischen Kulturrevolution im China Mao Zedongs behandelt. Dabei werden darüber doch heute die übelsten Gräuelgeschichten verbreitet, um die angebliche Menschenfeindlichkeit des „Maoismus“ zu „beweisen“. Die Idee der Großen Proletarischen Kulturrevolution von Mao Zedong war die wichtigste positive Schlussfolgerung aus der Verdrängung des weltanschaulichen Kampfs in der alten kommunistischen und Arbeiterbewegung. Auch in der internationalen marxistisch-leninistischen und Arbeiterbewegung gibt es noch viele Vorbehalte gegen die Proletarische Kulturrevolution in China. Es ist notwendig, dazu eine weltanschauliche Überzeugungsarbeit zu leisten. Vor allem jüngeren Mitgliedern der MLPD, aber auch anderer revolutionärer Parteien, die erst in den letzten zwei Jahrzehnten zur marxistisch-leninistischen und Arbeiterbewegung gestoßen sind, sind die Bedeutung, der Gehalt und die Methoden der Proletarischen Kulturrevolution weitgehend unbekannt.

Dort wurde mit verschiedenen Methoden der Überzeugung und des weltanschaulichen Kampfs verhindert, dass es bereits zu Lebzeiten Mao Zedongs in China zu einer Restauration des Kapitalismus wie in der Sowjetunion und den RGW-Ländern kam. Wir müssen unbedingt davon lernen, wenn wir eine neue weltanschauliche Offensive für den wissenschaftlichen Sozialismus entfalten wollen, und begreifen, was sozialistisches Bewusstsein im Aufbau des Sozialismus bedeutet.

Was wird in den weiteren Teilen dieser Reihe REVOLUTIONÄRER WEG (RW) 36–39 behandelt?

Stefan Engel: Im RW 37 werden wir uns vor allem mit neueren Entwicklungen der bürgerlichen Ideologie befassen, die in der Zeit der Neuorganisation der internationalen Produktion seit den 1990er-Jahren hervorgetreten sind. Dazu gehört die Auseinandersetzung mit verschiedenen erkenntnistheoretischen Methoden wie dem Pragmatismus oder dem Positivismus.

Wir polemisieren auch gegen die revisionistische „Tschu-Tsche“-Theorie von Kim Il Sung aus der Demokratischen Volksrepublik Korea, den „demokratischen Konföderalismus“ von Abdullah Öcalan und seine antikommunistischen Ansichten, gegen die abstrusen Theorien der kleinbürgerlich-radikalen Linken, den Neorevisionismus vor allem der heutigen KP Chinas und von Xi Jinping, den Trotzkismus und den Postmodernismus. Natürlich beschäftigen wir uns auch mit der neueren Entwicklung der faschistischen Ideologie, den verschiedensten Spielarten des Neofaschismus. Ein Abschnitt wird den Verschwörungstheorien gewidmet, die heute in der weltanschaulichen Verwirrung und der neofaschistischen Beeinflussung der Massen eine große Rolle spielen.

Im RW 38 werden wir uns vor allem mit der Krise der bürgerlichen Ideologie in der bürgerlichen Wissenschaft und Kultur befassen. Kritisiert wird auch die Religion in ihren verschiedensten Variationen und ihrer heutigen gesellschaftlichen Rolle.

Der RW 39 muss mit der Lehre von der Denkweise die allseitigen Schlussfolgerungen für den weltanschaulichen Kampf ziehen. Dieser Teil setzt an den Erkenntnissen des RW 26 über die Frage der Denkweise in der Arbeiterbewegung an. Er fasst zugleich den Erkenntnisfortschritt der Lehre von der Denkweise in 25 Jahren Theorie und Praxis der revolutionären Parteiarbeit zusammen. Er untersucht auch die Weiterentwicklung des Systems der kleinbürgerlichen Denkweise und seine negativen Auswirkungen auf die Entwicklung des Klassenbewusstseins, des Klassenkampfs, der Vorbereitung der internationalen sozialistischen Revolution und beim Aufbau des Sozialismus.

Es hat relativ lange Zeit zwischen dem RW 35 zum Kampf gegen die drohende globale Umweltkatastrophe bis zum Erscheinen des RW 36 gedauert. Woran lag das?

Stefan Engel: Zwischen den Veröffentlichungen dieser beiden Nummern des REVOLUTIONÄREN WEG lagen tatsächlich sieben Jahre. Das hatte unterschiedliche Gründe. Zum ersten handelt es sich um ein Mammutwerk, das die vielseitigen Stränge, wie die kleinbürgerliche Denkweise und bürgerliche Ideologie heute auf die Massen Einfluss nehmen, untersucht. Daran haben das Zentralkomitee und fast 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter jahrelang gearbeitet. Es war aber auch notwendig, mit einer latenten Verdrängung der weltanschaulichen Seite unter den Mitarbeitern fertig zu werden. Eine solche Tendenz zur Verdrängung der weltanschaulichen Seite gibt es in der ganzen Partei. Das ist strategisch nicht ungefährlich. Immerhin hat das in der alten kommunistischen Bewegung zur revisionistischen Entartung aller ehemals sozialistischen Länder und eines Großteils der alten internationalen kommunistischen Bewegung geführt.

Die vorgezogene Herausgabe der Einzelnummern zielt vor allem darauf ab, die ideologisch-politische Seite unserer Parteitätigkeit, insbesondere die Arbeit mit dem theoretischen Organ der MLPD, REVOLUTIONÄRER WEG, zu fördern und den Kampf gegen den Antikommunismus und die kleinbürgerlich-antikommunistische Denkweise grundsätzlich auszurichten. Das Buch gibt auch eine Anleitung, wie die revolutionäre und Arbeiterbewegung mit dem Antikommunismus fertig wird, und ist konkret eine wichtige Grundlage für die Bewegung „Gib Antikommunismus keine Chance!“.

Mit den vier Büchern über die Krise der bürgerlichen Ideologie wird sicherlich die theoretische Arbeit nicht abgeschlossen sein.

Stefan Engel: Nein! Relativ abgeschlossen wird allerdings die Weiterentwicklung und Konkretisierung unserer ideologisch-politischen Linie seit der Neuorganisation der internationalen Produktion, die wesentliche Veränderungen im imperialistischen Weltsystem bewirkte und Veränderungen in unserer proletarischen Strategie und Taktik mit sich brachte.

Wir arbeiten zudem bereits an einer Nummer des theoretischen Organs zu neuen Erscheinungen im imperialistischen Weltsystem. Darin geht es um weitere neue Entwicklungen in der ökonomischen Grundlage des Imperialismus über die RW 29–35 hinaus, die allgemeine Rechtsentwicklung der Regierungen und Parteien der imperialistischen Länder, die Herausbildung neuimperialistischer Länder, die Bedeutung der Digitalisierung für die Entwicklung der Produktivkräfte und so weiter. Außerdem arbeiten wir parallel an einem Buch mit dem Titel „Biographische Betrachtungen der MLPD zu Stalin“, das als Ergänzung der Schriften „Die Krise der bürgerlichen Ideologie und die Lehre von der Denkweise“ dient.

In diesem Jahr sind es 30 Jahre, seitdem du die Leitung der Redaktion des theoretischen Organs REVOLUTIONÄRER WEG von Willi Dickhut übernommen hast, der die Redaktion vorher 22 Jahre führte. Welche Bilanz ziehst du?

Stefan Engel: Willi Dickhut hatte die ideologisch-politischen Grundlagen für die revolutionäre Arbeiterpartei neuen Typs allseitig entwickelt. Das war die wichtigste Voraussetzung für die Gründung der MLPD 1982. Das System des theoretischen Organs Nummer 1–24 umfasst die Konkretisierung des Marxismus-Leninismus auf die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg und insbesondere auf Deutschland in der politischen Ökonomie, der proletarischen Strategie und Taktik und dem dialektischen und historischen Materialismus.

Der Redaktion unter meiner Leitung oblag es, auf dieser allgemeinen Grundlage die Neuorganisation der internationalen Produktion allseitig zu analysieren und daraus Schlussfolgerungen für den Parteiaufbau, den Klassenkampf und die Vorbereitung der internationalen sozialistischen Revolution zu ziehen. Eine Leitlinie für diese Tätigkeit war die Lehre von der Denkweise, die uns befähigte, an alle Fragen der Theorie und Praxis der revolutionären Tätigkeit mithilfe der bewussten Anwendung der dialektischen Methode heranzugehen. Wir mussten auch einige Fragen behandeln, die einer grundsätzlichen Klärung vom Standpunkt des Marxismus bedurften, wie die Befreiung der Frau oder der Kampf zum Schutz der natürlichen Umwelt.

Die Aufgaben der theoretischen Arbeit stellen sich immer wieder neu, weil sich ständig neue praktische und theoretische Fragen in der Gesellschaft und der internationalen marxistisch-leninistischen und Arbeiterbewegung ergeben, die theoretisch beantwortet werden müssen. Die Redaktion REVOLUTIONÄRER WEG zeichnet sich heute vor allem dadurch aus, eine kollektive theoretische Arbeit auf der Grundlage der proletarischen Denkweise zu leisten. Anders sind die umfassenden theoretischen Anforderungen heute und in Zukunft nicht mehr zu lösen.

Vielen Dank und herzlichen Glückwunsch zu 30 Jahren Leitung der Redaktion REVOLUTIONÄRER WEG!

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